Für die Klienten der Diakonischen Tagesstätte Westerburg waren die vergangenen Monate eine ausgesprochene Herausforderung. Die Menschen, die unter verschiedenen psychischen Erkrankungen leiden, brauchen einen strukturierten Alltag. Ein Umzug ist für viele deshalb eine Mammutaufgabe, die sie seit Beginn der Coronakrise gleich zwei Mal bewältigen mussten.

Das vertraute Haus in Westerburg ist wegen der Hygienebestimmungen viel zu klein für die 21-köpfige Gruppe, und die Zwischenstation – die Evangelische Freizeitstätte Dreifelden – mussten sie nach rund zwei Monaten ebenfalls verlassen. Nun sind sie im Schullandheim Norken. Dort statteten ihnen der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering und die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler einen Begrüßungsbesuch ab und erlebten ausgesprochen entspannte Gastgeber.

Umzug gut gestemmt

Denn jetzt können die Klienten der Tagesstätte erst einmal durchatmen: In Norken bleiben sie wohl so lange, bis sich die Coronakrise deutlich entspannt. Innerhalb eines Wochenendes stemmte das Team der Tagesstätte den Umzug von Dreifelden nach Norken und richtete das Schullandheim so ein, dass sich die Menschen auch hier sicher und zuhause fühlen können.

Zusätzliche Kosten

Ein großer logistischer Aufwand, der auch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, sagt der Leiter des Diakonischen Werks, Wilfried Kehr: „Obwohl wir die Tagesstätte in Westerburg derzeit nicht beziehen können, zahlen wir deren Miete ja weiter – zusätzlich zu den Aufwendungen für das Schullandheim. Allerdings sind das Coronabedingte Mehrkosten, bei denen uns das rheinland-pfälzische Sozialministerium unterstützt.“

Ausreichend Platz

Das Team der Tagesstätte ist davon überzeugt, dass sich der Aufwand gelohnt hat. „In den Räumen des Schullandheims können 14 Männer und Frauen gleichzeitig betreut werden“, sagt die Leiterin der Tagesstätte, Astrid Müller-Ax. Das ist kein Vergleich zu den vier Personen, die sich in der Westerburger Einrichtung höchstens aufhalten dürfen. „Betreut werden heißt: Von morgens bis zum Nachmittag lernen die Klienten, ihrem Tag wieder eine Struktur und sich selbst etwas Sicherheit zu geben. Sie essen zusammen, können an diversen Workshops und Therapie-Angeboten teilnehmen, haben Zeiten der Ruhe und unternehmen gemeinsame Ausflüge.“

Gemeinschaft trägt

Ob die Ausflüge nun an den Dreifelder Weiher oder die Norkener Natur führen, spielt letztlich kaum eine Rolle. Schließlich ist es die Gemeinschaft, die den psychisch kranken Menschen guttut. „Der Kontakt untereinander hat uns durch die Krise geholfen“, betont Astrid Müller-Ax und erzählt, dass das gerade am Anfang der Corona-Zeit eine ausgesprochene Herausforderung war; im März, als persönliche Begegnungen nur sehr eingeschränkt möglich waren: „Wir haben mehrmals am Tag mit den Klienten telefoniert und sie sozusagen aus der Ferne durch den Tag begleitet. Dadurch haben wir ihnen gezeigt, dass wir immer noch für sie da sind“, erinnert sie sich. So herausfordernd die vergangene Zeit auch war: Sie hat die Gruppe zusammengeschweißt. „Inzwischen sind wir eine richtige Familie“, schwärmt Roswitha, eine der Klientinnen.

Einladung in den Landtag

Und auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler ist vom Zusammenhalt begeistert: „Es ist bewundernswert, was Sie unter den gegebenen Umständen hier leisten und dass Sie auch während der Krise den Kontakt zueinander gehalten haben.“ Als sich Bätzing-Lichtenthäler und Hendrik Hering verabschieden, überrascht der Landtagspräsident die Gastgeber noch mit einem besonderen Dankeschön und lädt die Gruppe in den rheinland-pfälzischen Landtag nach Mainz ein. (bon)

Im Detail: Die Tagesstätte des Diakonischen Werks

Die Tagesstätte des Diakonischen Werks Westerwald ist eine teilstationäre Einrichtung, in der chronisch psychisch erkrankte Menschen lernen, ihren Tagesablauf wieder sinnvoll zu gestalten. Dort finden sie Ansprechpartner*innen für alltägliche Probleme, erhalten beschäftigungstherapeutische Angebote, tasten sich an die eigene Belastungsfähigkeit heran und haben Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für die barrierefreie Sanierung des „Marktplatz 8“ in Westerburg, der die alten Räume in der Adolfstraße (und die derzeitige Bleibe in Norken) künftig ablösen soll.

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